Ein seetaugliches Kajak muss bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. Diese Standards unterscheiden das Seekajak von einem einfachen Tourenkajak und machen es für den Einsatz im offenen Wasser und bei rauen Bedingungen geeignet.
Pflichtausstattung eines Seekajaks:
- Doppelt abgeschottete Kammern mit wasserdichten Schotten
- Cockpitbereich, vorderer und hinterer Stauraum
- Tagesluke (optional, aber empfohlen)
- Toggles an Bug und Heck mit ausreichender Leinenlänge zum Tragen und Festhalten
- Rundleine um den Rumpf für schwimmende Personen
Die Auswahl eines Seekajaks muss auf persönliche Faktoren abgestimmt werden. Ein falsch dimensioniertes Boot beeinträchtigt sowohl Sicherheit als auch Fahrvergnügen. Es kann von der Vorgabe abgewichen werden, man sollte sich dann aber sicher sein, warum man dies möchte.
Volumenberechnung:
Das benötigte Kajakvolumen berechnet sich nach folgenden Formeln:
- Maximales Volumen: V_max = m_ges · (10l / 3kg)
- Minimales Volumen: V_min = m_ges · (10l / 6kg)
Dabei ist m_ges das Gesamtgewicht (Paddler + Kajak + Ausrüstung).
Eine Paddlerin wiegt 75 kg, ein PE-Boot 30 kg, sie rechnet mit 20 kg Ausrüstung: M_ges = 125 kg
- V_max = 125 · (10/3) ≈ 417 Liter
- V_min = 125 · (10/6) ≈ 208 Liter
Das Kajak kann also ein Volumen zwischen 208 und 417 Litern haben. Dies ist eine große Spanne.
- Ein großes Kajak läuft trockener, ist aber windanfälliger
- Ein kleineres hat weniger Staumöglichkeiten, läuft nasser und ist weniger windanfällig
Länge:
- Längere Boote: schneller, spurtreuer
- Kürzere Boote: wendiger
Deckssprung:
Höhe des Decks beeinflusst:
- Fehlender Deckssprung: schneller
- Größerer Deckssprung: langsamer, wendiger, trockener, windanfälliger
Breite:
Kompromiss zwischen Stabilität und Geschwindigkeit
- Breitere Boote: stabiler, aber langsamer
- Schmale Boote: schneller, rollfreundlicher
Steuerung:
- Skeg: Verstellbar vom Cockpit; reduziert Luvgierigkeit bei Wind
- Skudder: Skeg mit Fußsteuerung
- Klappsteuer: Aufgesetztes Ruder; robust, aber windanfällig
- Kombinationen möglich
Rumpfform (Spant):
- Knickspant: Höhere Anfangsstabilität, flacheres Profil
- Rundspant: Sanftere Bewegungen in Wellen, bessere Endstabilität
Material:
- Polyethylen (PE): Robust, wartungsarm, schwerer bei großen Booten
- Laminat (GFK/Carbon): Leichter, schneller, pflegebedürftiger, steifer
1. Untersuche zwei Boote auf Seetauglichkeitsstandards (Rundleine, Schotten, Toggles)
2. Berechne deinen persönlichen Volumenbereich (mit 23 kg Ausrüstungszuschlag und 30 kg Boot)
3. Probiere drei verschiedene Kajaks im Trockenen aus und erstelle eine Eignungsliste mit Vor- und Nachteilen für jedes Boot
Der Name muss deutlich sichtbar außen und innen mit Kontaktdaten angebracht sein (Binnenschifferstraßen-Ordnung §2.02).
In der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung gibt es keine entsprechenden Regelung_
Übliche Praxis:
- Name am Bug
- Verein am Heck
Reflektoren:
Verbessern die Sichtbarkeit bei Dunkelheit und schlechter Sicht. Sollten am Deck und an Bug/Heck angebracht werden.
Ein Seekajak muss mit Sicherheits- und Notfallausrüstung ausgestattet sein. Diese Ausrüstung ist nicht optional. Sie kann an Gebiet, Wetter, Können und Gruppe angepasst werden.
Die Positionierung der Ausrüstung ist entscheidend:
- Das Reservepaddel sollte auch bei Kenterung erreichbar sein
- Die Lenzpumpe muss ausprobiert werden wo sie gut hinpasst
Hole ein Kajak aus dem Schuppen und statte es vollständig aus.
| Ausrüstung | Zweck / Anforderungen |
|---|---|
| Ersatzpaddel | Zweiteiliges Paddel, gut erreichbar auf dem Deck verstaut. Dient als vollwertiger Ersatz bei Verlust oder Defekt des Hauptpaddels. Man muss damit auch längere Strecken paddeln können. |
| Kompass | Auf dem Deck montiert (fest oder mit Gummibändern). Dient zur Kursbestimmung und zur Erkennung der Verdrift durch Wind und Strömung. Keine magnetischen Gegenstände (z. B. Werkzeug, Gaskartusche, Lenzpumpe) in der Nähe lagern. |
| Lenzpumpe | Dient zum Lenzen (Auspumpen) des Cockpits nach einem Wiedereinstieg. Wichtig für die Stabilität und die weitere sichere Fahrt. Muss schnell erreichbar sein. |
| Kajakwagen | Ermöglicht das Ziehen eines auch voll beladenen Kajaks durch eine einzelne Person. Wichtig zum Umgehen von Brandung oder schlechtem Wetter. Muss während der Fahrt im Boot verstaubar sein. |
| Contact-Tow | Kurze Leine zum Bilden eines Päckchens oder zum kurzfristigen Bewegen eines fremden Kajaks. Wichtig zur Unterstützung erschöpfter Paddelnder. |
| Erste-Hilfe-Set | Muss im Kajak mitgeführt werden. Inhalt und Anwendung müssen bekannt sein. Empfehlung: Staufach mit grünem Kreuz markieren. Zusätzlich kleines Set in Tagesluke oder Schwimmweste sinnvoll. |
| Signalmittel | Z. B. Handfackeln oder Signalraketen. Sind eine Ergänzung zu den persönlichen Signalmitteln. |
Kajakwagen:
Ein Kajakwagen ist unerlässlich für Seekajak-Touren. Er ermöglicht:
- Transport des voll beladenen Kajaks durch eine Person
- Umgehen gefährlicher Brandungszonen
- Flexibles Reagieren auf Wetteränderungen
Tragegurte:
Erleichtern den schnellen Transport von Kajaks durch mehrere Personen über kurze Strecken. Praktisch beim Ein- und Ausstieg.