1. verpflichtend, wird zentral besorgt
1. BSH (2025): Gezeitenkalender. Hoch- und Niedrigwasserzeiten für die Deutsche Bucht und deren Flussgebiete. Hamburg.
2. Dingenotto, C., LKV Niedersachsen e.V. (Hrsg.) (2018): Revierführer Seekajak. Ostfriesland. Oldenburg. (Abrufbar unter: https://kanu-niedersachsen.de/seekajak/ )
3. Kartenbesteck: Kursdreieck, Anlegedreieck und Kartenzirkel
2. optional, zum Weiterdenken
1. BSH (2027): Der küstennahe Gezeitenstrom in der Deutschen Bucht. Hamburg.
2. BSH (2011): KARTE 1. Zeichen, Abkürzungen, Begriffe in amtlichen deutschen Seekarten. Hamburg.
3. Seekarten, z.B. Nautical Publication (Hrsg.) (2021): Atlas Ostfriesland. Borkum bis Helgoland & Ems. [DE13] Eckernförde: NV-Verlag.
3. Links
1. BSH - Gezeiten
2. BSH - Strömungkarten
3. Befahrungsverordnung
4. Karte auch zum drucken
5. Karte mit Strömungen
4. Karte
1. Seekarte Dornumersiel mit Baltrum
Seekarten sind das wichtigste Navigationsmittel für Seekajaker. Sie zeigen nicht nur die Küstenlinie, sondern auch Wassertiefen, Fahrrinnen, Seezeichen, Sperrbereiche und Orientierungspunkte.
- Zeigen Wassertiefen, Fahrrinnen, Seezeichen, Landmarken, Schutzgebiete
- Sollten laminiert und aktuell sein
- Wattenmeer: Hochdynamisch - Sandbänke verändern sich ständig - Abweichungen in der Tiefe sind möglich
Maßstäbe und Messungen:
- Geografische Breite am Kartenrand markiert
- 1 Breitenminute = 1 Seemeile (sm) = 1852 m
- Alle Tiefen/Höhen bezogen auf LAT (Lowest Astronomical Tide) = niedrigstes astronomisches Gezeitenwasserstand (ohne Wettereinflüsse)
Farbcodierung auf Seekarten:
- Blautöne: Seichtes bis tiefes Wasser (hell = flach, dunkel = tief)
- Grün: Wattflächen bei LAT (fallen trocken)
- Gelb: Land
Diese Farbcodierung erlaubt eine schnelle visuelle Orientierung über Wassertiefen und befahrbare Bereiche.
Von der Seeseite kommend:
- Backbord (links): Rot, zylindrische Spitze, gerade Nummern
- Steuerbord (rechts): Grün, spitze Form, ungerade Nummern
- Gefahrenstellen: Gelb
Pricken (Wattfahrwasser):
Holzstangen mit Reisigbündel markieren flache Fahrwasser:
- ▽-Form (offene Spitze) = Backbord
- △-Form (geschlossene Spitze) = Steuerbord
Kardinalzeichen:
Zwei Kegel zeigen sichere Passage um Gefahrenstellen:
- Nord: Beide Kegelspitzen nach oben: △ △
- Süd: Beide Kegelspitzen nach unten: ▽ ▽
- West: Sanduhr-Form (Spitzen zeigen zueinander): ▽ △
- Ost: O-Form (Spitzen zeigen voneinander weg): △ ▽
Leuchttürme und Leuchtfeuer:
Sektorkreise auf Karten zeigen:
- Leuchtreichweite in Seemeilen
- Farbsektoren (grün/rot/weiß)
- Kennung, z.B. "Fl(3)10s" = drei Blitze alle 10 Sekunden
Tagsüber für Kajaks weniger relevant, aber wichtig für die Nacht.
In der Seekarte wird eine befeuerte Tonne durch ein Tonnensymbol dargestellt. Die Lichtangaben stehen direkt daneben und beschreiben das Feuer.
1. Kennung (Lichtrhythmus) Sie beschreibt, wie das Licht erscheint:
- F = Festfeuer
- Fl = Blinkfeuer
- Oc = Unterbrochenes Feuer
- Iso = Gleiches Licht- und Dunkelintervall
- Q / VQ = Schnell- oder sehr schnell blinkend
2. Lichtfarbe Abgekürzt durch Buchstaben, z. B.:
- W = weiß
- R = rot
- G = grün
- Y = gelb
3. Periode Die Zahl in Klammern gibt die Dauer eines vollständigen Lichtzyklus in Sekunden an. Beispiel: (5s) = ein Zyklus dauert 5 Sekunden.
1. Identifiziere auf einer Seekarte verschiedene Seezeichen
2. Erkläre die Bedeutung von mindestens 5 verschiedenen Zeichen
1. Rechtweisender Kurs (rwK): Richtung des Bootsrumpfes beim Geradeausfahren
2. Kurs durch Wasser (KdW): Bootsbewegung durchs Wasser (kann durch Wind abweichen)
3. Kurs über Grund (KüG): Tatsächliche Bewegung über dem Meeresboden (Wind + Strömung) - wird in Seekarten eingetragen
Fahrwasser:
- Definierte Schifffahrtswege mit Markierungstonnen
- Für große Schiffe sicher befahrbar
- Kajaks fahren NEBEN dem Fahrwasser, nicht darin!
- Querung erfolgt mit einem orthogonalen (rechtwinkligen) rechtweisenden Kurs - dies minimiert die Zeit im Fahrwassser
Ein Kajak fährt mit dem Bug nach 90° (rwK = 90° = Ost).
Eine Seitenströmung von Norden drückt das Boot nach Süden.
Der tatsächliche Kurs über Grund (KüG) ist dann vielleicht 100°, da das Boot nach Südosten abdriftet.
Konsequenz für Navigation:
Um ein Ziel genau zu erreichen, muss der Paddler "vorhalten" - also einen Kurs fahren, der die Abdrift kompensiert.
Der Kompass ist das zentrale Navigationsinstrument bei eingeschränkter Sicht oder ohne Landmarken.
Deckkompass nutzen:
- Kreuzpeilung: Triangulation von zwei bekannten Landmarken zur Positionsbestimmung
- Kursfahrt: Gruppenpaddeln mit konstanter Kompassrichtung
- Abtriftschätzung: Durch Vergleich von gefahrenem Kurs und tatsächlicher Position
Kreuzpeilung - Schritt für Schritt:
1. Wähle zwei gut erkennbare, feste Landmarken (z.B. Kirchtürme, Leuchttürme)
2. Peile die erste Marke mit dem Kompass an und notiere den Winkel
3. Peile die zweite Marke an und notiere den Winkel
4. Übertrage beide Peillinien auf die Seekarte
5. Der Schnittpunkt der beiden Linien ist deine Position
Genauigkeit:
- Winkel zwischen den Peilobjekten sollte 30°-150° betragen
- Drei Peilungen (statt zwei) erhöhen die Genauigkeit
1. Zeichne die Fahrwasser Baltrumer Wattfahrwasser, Accumer Ee (zwischen Langeoog und Baltrum), Langeooger Balje und Accumersieler Balje ein.
2. Berechne Tourlänge und -zeit von Dornumersiel nach Baltrumhafen über das Wattfahrwasser und die Seeseite (Annahme: 3kn=3sm/h Paddelgeschwindigkeit)
3. Identifiziere verschiedene Seezeichen und deren Bedeutung
4. Bestimme Kompasskurse zwischen AB1 und A9/B26
5. Lokalisiere Ein- und Ausstiegspunkte auf der Karte und im Revierführer
6. Überkreuzpeilung wollt ihr eure Position bestimmen. Ihr peilt den Wasserturm Langeoog bei 45° und die Ostbarke Baltrum bei 315°. Bestimme wo ihr seid und überlege warum dies ein Problem ist.
Das Wattenmeer ist ein hochsensibles Ökosystem und großflächig geschützt. Als Seekajaker müssen wir die Schutzbestimmungen kennen und einhalten.
Wattenmeer-Nationalparks:
- Niedersächsisches Wattenmeer
- Hamburgisches Wattenmeer
- Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
- Vadehavet (Dänisches Wattenmeer)
Naturschutzgebiete (NSG) in der Nordsee:
- Sylter Außenriff
- Borkum-Riffgrund
- Doggerbank
- Außenems, Tideweser, Elbe-Mündungstrichter
Ostsee-Schutzgebiete:
- Fehmarnbelt, Kadetrinne
- Pommersche Bucht-Rönnebank
- Vorpommersche Boddenlandschaft
- Jasmund
Zusätzlich: FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) und Vogelschutzgebiete
Allgemeine Schutzgebiete:
- Trockenfallen nur an gekennzeichneten Ausstiegs-/Aufenthaltsstellen erlaubt
- Durchfahrt auf Wasser erlaubt
Besondere Schutzgebiete:
- Während Schutzzeiten (meist 1. April - 31. Oktober) nur befahrbar in:
- Fahrwassern
- Schutzgebiets-Routen
- Wasserwanderwegen
Relevante Orte:
- Ausstiegs-/Aufenthaltsstelle: 200 m Radius um Koordinaten; teilweise nur für Kajaks oder mit weiteren Einschränkungen
- Schutzgebiets-Route: 250 m Breite für ganzjähriges Befahren außerhalb Fahrwasser
- Schutzgebiets-Wasserwanderweg: 250 m Breite speziell für Kajaks; auch zum Aufenthalt
- Schnellfahrkorridor: Gewerbliche Route; bis 24 Knoten zulässig - Vorsicht!
- Kitesurfgebiet: Erlaubniszonen für Kitesurfen (außerhalb: nicht gestattet)
Wichtig: Schaue dir vor jeder Tour die Schutzgebiete in dem befahrenen Bereich an!
Diese Variante ist eine ausführliche, schriftliche Tourbeschreibung in Fließtextform.
Vorgehen
1. Tour grob festlegen
- Start- und Zielpunkt bestimmen
- Gesamtroute beschreiben (z.B. Inselumrundung)
2. Rahmendaten notieren
- Gesamtdistanz in km oder Seemeilen
- Geschätzte Fahrzeit
- Früheste und späteste Start-/Ankunftszeit
3. Route abschnittsweise beschreiben
- Wichtige Tonnen, Landmarken und Fahrwasser nennen
- Richtungen angeben (z.B. Nordwest, Südost)
4. Besondere Hinweise ergänzen
- Schutzgebiete, Betretungsverbote
- Flachstellen oder Wattbereiche
- Möglichkeiten für Pausen oder Ausstieg
5. Planungsdaten hinzufügen
- Hoch- und Niedrigwasserzeiten (HW/NW)
- Strömungsangaben
- Sonnenauf- und Untergang
- Windvorhersage (Platz zum Eintragen)
Vorteil
- Sehr gut geeignet, um eine Tour verständlich zu erklären.
Nachteil
- Unterwegs weniger übersichtlich als eine Tabelle.
Diese Variante nutzt eine strukturierte Tabelle, in der alle Etappen mit Zeiten und Distanzen eingetragen werden.
Vorgehen
1. Tourdaten eintragen
- Datum
- Start und Ziel
- Gesamtstrecke und geplante Dauer
- Sonnenauf- und Untergang
2. Gezeiteninformationen ergänzen
- Pegelorte auswählen
- HW- und NW-Zeiten eintragen
- 1/12-Wert berechnen (für Wasserstandsschätzung)
3. Strömungsdaten hinzufügen
- Bezugsort bestimmen
- Strömungswerte zu -4h, -2h, +2h usw. notieren
4. Etappen planen Für jeden Abschnitt:
- Startzeit (früh/spät)
- Startort
- Distanz und Fahrtdauer
- Bemerkungen (z.B. Flachwasser, Fahrwasser, Pause)
- Zielpunkt und Ankunftszeit
5. Alternativen berücksichtigen
- Pausenzeit einplanen
- Notausstiege oder Abbruchmöglichkeiten notieren
Vorteil
- Sehr übersichtlich und ideal für präzise Zeitplanung.
Nachteil
- Etwas mehr Aufwand beim Ausfüllen.
Diese Variante beschreibt die Planung als Eintragungen direkt in der Seekarte.
Vorgehen
1. Aktuelle Seekarte auswählen
- Amtliche Karte oder NV-Atlas
- Kartenausschnitt passend zur Route
2. Route einzeichnen
- Geplante Strecke mit Linie markieren
- Teilabschnitte optisch trennen
3. Navigationspunkte markieren
- Tonnen, Prickenwege, Landmarken
- Querungen von Fahrwassern deutlich hervorheben
4. Gezeiteninformationen auf die Karte schreiben
- HW- und NW-Zeiten wichtiger Orte
- Erwartete Wasserstände
5. Entfernungen und Paddelzeiten ergänzen
- Distanz pro Abschnitt eintragen
- Zeitabschätzung dazuschreiben
6. Sicherheitsinformationen ergänzen
- Rückzugswege markieren
- Flachstellen und Wattgebiete kennzeichnen
- Koordinaten müssen lesbar bleiben (für Notfälle)
7. Karte wasserdicht mitführen
- Laminieren oder Kartentasche
- Befestigung auf dem Vorderdeck
Vorteil
- Unterwegs extrem praktisch: alles auf einen Blick.
Nachteil
- Erfordert sauberes Arbeiten und gute Kartenkenntnis.
| Variante | Form | Besonders geeignet für |
|---|---|---|
| 1. Textskizze | Beschreibung | Tour erklären und dokumentieren |
| 2. Tabelle | Strukturierte Planung | Exakte Zeiten und Etappen |
| 3. Seekarte | Planung auf Karte | Navigation unterwegs |
Alle drei Varianten können kombiniert werden, um eine Tour möglichst sicher zu planen.
1. Fahrwasser
1. Markiere auf der Karte das Baltrumer Wattfahrwasser und die Fahrwasser Accumer Ee (im Gatt zwischen Baltrum und Langeoog) und Accumersieler Balje in voller Breite.
2. Du näherst dich von südost A9/B26. Zeichne ein, wo du die Gruppe zum Queren des Baltrumer Wattfahrwassers sammeln möchtest.
2. Maßstab, Höhen und Tiefen Du möchtest von Dornumersiel entlang des Fahrwassers durch das Watt zum Hafen Baltrum fahren.
1. Bestimme die räumliche Länge der Tour?
2. Bestimme den räumlichen und zeitlichen Abstand zwischen AB1 und A9/B26 (3kn=3sm/h)
3. Gib an wie hoch der Wattrücken des Baltrumerwatts bei LAT (niedrigsten astronomischen Niederigwasser) ist.
3. Symbole und Markierungen
1. Du fährst von AB1 in Richtung A9/B26. Beschreibe das Aussehen der Tonne.
4. Kompass
1. Mit welchem Kurs musst du von AB1 zu A9/B26 fahren, wenn es keinen Versatz gibt.
2. Du gehst davon aus, die Tonne erst ab der Hälfte der Strecke sehen zu können. Wie lange nach dem Passieren von AB1 fährst du, bis du sie sehen kannst?
5. Schutzgebiete/NordSBefV
1. Du bist bei NW an AB9/B26 und musst kurz aussteigen für Dinge, die du nicht im Boot erledigen kannst. Wo tust du dies?
2. Zeichne mögliche Ausstiegs- und Aufenthaltsstellen auf der Karte ein. Schaue dafür in die Karte, den Revierführer und die Befahrungsverordnung.
6. Die Tide drecht Ihre Richtung wenn du von Dornumersiel durch das Wattfahrwasser nach Baltrum fährst zeitlich bei Hoch- und Niedrigwasser und räumlich an A9/B26 und am Wattenhoch.
1. Wann solltest du am 1.6. losfahren, damit du möglichst wenig gegen die Strömung fahren musst?
1. Rund Spiekeroog
1. Ihr möchtet am Samstag von Neuharlingersiel zum Campingplatz auf Spiekeroog paddeln.
2. Am Sonntag plant ihr eine Rundtour um Spiekeroog.
3. Sucht ein passendes Wochenende im Juni und erstellt eine detaillierte Planung.
2. Rund Wangerooge
1. Ihr wollt am Samstag von Harlesiel nach Wangerooge West fahren.
2. Am Sonntag steht eine Rundtour um Wangerooge auf dem Programm.
3. Wählt ein geeignetes Wochenende im Juni und erstellt eine Planung.
4. Erklärt außerdem, warum es von Wangerooge West schwierig ist, rund um Spiekeroog zu paddeln.
3. Wangerooge ab Horumersiel
1. Ihr möchtet am Samstag von Horumersiel nach Wangerooge West paddeln.
2. Am Sonntag fahrt ihr wieder zurück.
3. Sucht ein passendes Wochenende im Juni und erstellt eine Planung.
4. Entwickelt eine Alternative bei Windstärke 5 aus Südost.
5. Entwickelt eine weitere Alternative bei Windstärke 5 aus Nord.
4. 3 Tage Neuwerk
1. Ihr plant eine Tour über ein langes Wochenende nach Neuwerk.
2. Wählt ein geeignetes Wochenende (1. Mai, Himmelfahrt oder Pfingsten) und erstellt eine Planung.
3. Erklärt, warum die Abfahrtszeit oft ungünstig liegt.
4. Überlegt, welche Tour man am mittleren Tag unternehmen könnte.
5. Hohe-Weg-Tagestour
1. Ihr möchtet an einem Samstag im Mai zum Leuchtturm Hohe Weg paddeln.
2. Sucht einen geeigneten Samstag und erstellt eine Planung.
3. Nutzt den Gezeitenatlas und prüft, wie die Strömung mit Hoch- und Niedrigwasser zusammenhängt.
6. 3 Tage Amrum
1. Ihr plant eine Tour über ein langes Wochenende nach Amrum.
2. Wählt ein geeignetes Wochenende (1. Mai, Himmelfahrt oder Pfingsten) und erstellt eine Planung.
3. Überlegt, welche Tour am mittleren Tag möglich wäre.
7. Lühesand (Elbe)
1. Ihr möchtet zwei Tage auf der Unterelbe paddeln und auf Lühesand übernachten.
2. Sucht ein geeignetes langes Wochenende im September und erstellt eine Planung.
3. Erklärt, warum ihr euren Startpunkt genau dort wählt.
Die Schwierigkeit und Gefährlichkeit einer Küstentour lässt sich mit verschiedenen Werkzeugen abschätzen:
- Windtabellen („Gegenwindthese")
- Punktesysteme (SCRS)
- Küstenschwierigkeitsgrade (KSG)
Die Gegenwindthese beschreibt, wie stark Wind das Paddeln erschwert. Jeder Windstärke wird zugeordnet:
- erwartete Paddelgeschwindigkeit
- Paddelschwierigkeit
- Dauer bis zur Erschöpfung
| Windstärke | Beschreibung | Paddelgeschwindigkeit | Erschöpfung nach |
|---|---|---|---|
| 0 Bft | einfach, keine Schwierigkeiten | ca. 3 kn (5–7,5 km/h) | > 8 h |
| 3 Bft | erste Probleme bei Seitenwind | ca. 2,75 kn | 4–6 h |
| 4 Bft | mäßig schwierig, Gegenwind kostet Kraft | ca. 2,5 kn | ca. 4 h |
| 5 Bft | schwierig, harte Anstrengung | ca. 2,25 kn (4,5–2,5 km/h) | 2–4 h |
| 7 Bft | äußerst schwierig, Kenterrisiko groß | ca. 1,5 kn | 0,5–1,5 h |
| 8 Bft | Befahrbarkeitsgrenze | < 1 kn | < 0,5 h |
Schon bei 5 Bft sinkt die Geschwindigkeit deutlich und die Tour wird schnell zur Kraftfrage. Ab 8 Bft ist normales Paddeln nicht mehr möglich.
Das SCRS ist ein detailliertes Punktesystem aus den USA, das viele Risikofaktoren addiert.
| Faktor | Bewertung | Max. Punkte |
|---|---|---|
| Wassertemperatur | 2 Punkte pro Grad unter 22°C | 40 |
| Windstärke | 1 Punkt je Knoten | 50+ |
| Wellenhöhe | 2 Punkte je 30 cm | 40+ |
| Schwimmdistanz | 1 Punkt je 100 m | 20 |
| Brechende See | pauschal | 30 |
| Nacht | pauschal | 20 |
| Nebel | bis | 20 |
| Sonstiges | zusätzliche Gefahren | 10+ |
Auswertung: Gesamtpunkte ÷ 20 = Schwierigkeitsklasse
| Klasse | Punktebereich | Bedeutung |
|---|---|---|
| I | < 2,0 | leicht bis mäßig schwierig |
| II | 2,0–3,0 | dazwischenliegend |
| III | 3,0–4,0 | fortgeschritten schwierig |
| IV | 4,0–5,0 | extreme Bedingungen |
| V | 5,0–6,0 | lebensbedrohlich |
| VI | ≥ 6,0 | nahezu nicht beherrschbar |
- Wassertemperatur 16°C → (22–16)=6° → 12 Punkte
- Wind 15 kn → 15 Punkte
- Wellenhöhe 1 m → ca. 7×2 = 14 Punkte
- Schwimmdistanz 500 m → 5 Punkte
Gesamt: 12+15+14+5 = 46 Punkte
46 ÷ 20 = 2,3 → Schwierigkeitsklasse II–III
Schon moderate Bedingungen ergeben eine anspruchsvolle Tour.
Alle drei Methoden zeigen:
- Wind ist der wichtigste Einzelindikator
- Ab 5 Bft steigt die Gefährlichkeit stark an
- Systeme wie KSG und SCRS helfen, Bedingungen objektiver einzuordnen
- Tourenplanung muss immer Sicherheitsreserven enthalten
Der Küsten-Schwierigkeitsgrad (KSG) dient dazu, die Schwierigkeit und Gefahr von Passagen auf
Küstengewässern vorab zu prognostizieren. Er wird zweistufig ermittelt:
- Stufe 1: Bestimme den nur von der Windstärke abhängigen „Basis"-KSG.
- Stufe 2: Ergänze Korrekturfaktoren (Windcharakter, Seegang, Tidenstrom, Sicht, Kälte usw.) für die konkrete Passage.
Näherungsformel:
KSG = (Windstärke in Bft − 2) + Korrekturen
(Alle Summen ≥ 6 ergeben KSG VI.)
| Wind (Bft) | Wind (kn) | „Basis"-KSG |
|---|---|---|
| 0–3 | bis 10 kn | I – unschwierig |
| 4 | 11–16 kn | II – mäßig schwierig |
| 5 | 17–21 kn | III – schwierig |
| 6 | 22–27 kn | IV – sehr schwierig |
| 7 | 28–33 kn | V – äußerst schwierig |
| 8–12 | 33–64+ kn | VI – Befahrbarkeitsgrenze |
Merksatz: „Basis"-KSG ≈ Bft − 2 (in Klassen I–VI übersetzt).
Windcharakter
- Fetch/Wirkdauer (> 10 km / > 12 h) → +1 (größere Windsee)
- ablandiger Wind → mindestens −1 (je nach Windabdeckung; aber Vorsicht: Abdrift!)
- starke Windeffekte (Düsen-/Kapeffekte, Fallwinde) → mind. +1 (ab 5 Bft)
Seegang / Wellen
- Windsee bzw. Dünung (> 0,5 m) → mind. +1 (in Kombination ggf. unbefahrbar)
- Brandung, Kreuzsee/Klapotis, Grundsee, Brecher an Engstellen → Korrekturen abhängig von Wellenhöhe, Wassertiefe, Strandsteilheit, Küstenform (häufig mind. +1)
Tidenstrom (> 1,5 kn)
- mit dem Wind → −1 (tendenziell flachere See)
- gegen den Wind → mind. +1 (ab 4 kn)
- über Untiefen/Felsen → mind. +1 (ab 4 kn)
- durch Engstellen (Tidal Race) → mind. +1 (ab 4 kn)
- Querströmungen (Fluss/Priel) → mind. +1 (ab 4 kn)
- gegen Hindernisse (Zusammenstoßgefahr) → +1
Temperatur
- Wasser/Luft < +5 °C → +1 bis +2 (bei < 0 °C eher +2)
Sicht
- Nacht/Nebel/Sonnenblendung, kaum Sicht → mind. +1
- bei dichtem Nebel: unbefahrbar
Sonstiges
- Seehöhlen → mind. +1 (ab KSG III ggf. unbefahrbar)
- dichter Schiffsverkehr → mind. +1 (ab KSG V ggf. unbefahrbar)
- Gewitter → unbefahrbar
- Baumstämme/Eisschollen → mind. +1 (ab KSG III ggf. unbefahrbar)
Der endgültige KSG ergibt sich aus Basis-KSG + Korrekturen und gilt immer passagenbezogen:
Eine Tour kann insgesamt moderat wirken, aber einzelne Passagen können durch Korrekturen deutlich gefährlicher werden.
Quelle: KSG nach Udo Beier (PDF)