1. Wärmelehre

1.1 Teilchenmodell

📘 Erklärung

Die kinetische Gastheorie erklärt die Eigenschaften von Gasen, Flüssigkeiten und Festkörpern durch die Bewegung von Teilchen:

Grundannahmen:
1. Alle Stoffe bestehen aus kleinsten Teilchen (Atome, Moleküle)
2. Diese Teilchen sind ständig in Bewegung
3. Zwischen den Teilchen wirken Kräfte (Anziehung und Abstoßung)
4. Je höher die Temperatur, desto schneller bewegen sich die Teilchen

Aggregatzustände:
- Fest: Teilchen schwingen um feste Positionen
- Flüssig: Teilchen bewegen sich, bleiben aber zusammen
- Gasförmig: Teilchen bewegen sich frei und unabhängig

📘 Erklärung: Brownsche Molekularbewegung

Die Brownsche Bewegung ist der Beweis für die Teilchenbewegung:

Beobachtung:
Kleine Partikel (z.B. Pollenkörner) in Wasser zeigen eine zufällige, zickzack-förmige Bewegung.

Erklärung:
Die unsichtbaren Wassermoleküle stoßen ständig gegen die sichtbaren Partikel und setzen sie in Bewegung.

Bedeutung:
Dies war der erste direkte Nachweis, dass Materie aus sich bewegenden Teilchen besteht.

1.2 Diffusion

📘 Erklärung
Diffusion ist die selbstständige Vermischung von Stoffen aufgrund der Teilchenbewegung:

Eigenschaften:
- Findet in Gasen, Flüssigkeiten und (langsam) in Feststoffen statt
- Läuft von selbst ab (ohne äußere Einwirkung)
- Läuft von Bereichen hoher zu niedriger Konzentration
- Ist temperaturabhängig (höhere Temperatur → schnellere Diffusion)

Beispiele:
- Parfüm verteilt sich im Raum
- Tee färbt sich im heißen Wasser
- Zucker löst sich in Kaffee

💡 Beispiel: Diffusion in Gasen
Versuch: Ein Tropfen Parfüm wird in einer Ecke des Raums versprüht.

Beobachtung: Nach kurzer Zeit riecht man das Parfüm im ganzen Raum.

Erklärung: Die Parfümmoleküle bewegen sich durch die ständige Bewegung der Luftmoleküle im ganzen Raum verteilt. Die Diffusion ist in Gasen am schnellsten.

📘 Erklärung: Diffusion und Temperatur

Die Geschwindigkeit der Diffusion hängt von der Temperatur ab:

Höhere Temperatur:
- Teilchen bewegen sich schneller
- Mehr Zusammenstöße
- Schnellere Vermischung

Beispiel:
Tinte in heißem Wasser verteilt sich viel schneller als in kaltem Wasser.

Anwendungen:
- Kochen (Gewürze verteilen sich schneller in heißem Wasser)
- Atmung (Sauerstoff diffundiert durch die Lungenbläschen)

1.3 Temperaturskalen

📘 Erklärung: Celsius und Kelvin

Es gibt zwei wichtige Temperaturskalen:

1. Celsius-Skala (°C)
- Alltagsskala
- 0°C = Schmelzpunkt von Wasser
- 100°C = Siedepunkt von Wasser (bei 1 bar)

2. Kelvin-Skala (K)
- Absolute Temperaturskala
- 0 K = absoluter Nullpunkt (-273,15°C)
- Kein "Grad" beim Kelvin!

Umrechnung:
T(K) = T(°C) + 273,15

oder vereinfacht:

T(K) = T(°C) + 273

Beispiele:
- 0°C = 273 K
- 20°C = 293 K
- 100°C = 373 K

💡 Beispiel: Temperaturumrechnung
Aufgabe: Wandle 25°C in Kelvin um.

Lösung:
T(K) = T(°C) + 273
T(K) = 25 + 273 = 298 K

Antwort: 25°C entsprechen 298 Kelvin.

📘 Erklärung: Absoluter Nullpunkt

Der absolute Nullpunkt (0 K = -273,15°C) ist die tiefstmögliche Temperatur:

Bedeutung:
- Bei 0 K haben die Teilchen die geringstmögliche Energie
- Die Teilchenbewegung kommt (fast) zum Stillstand
- Diese Temperatur kann praktisch nicht erreicht werden

Warum Kelvin in der Physik?
- Bei 0 K ist die Temperatur wirklich "Null"
- Viele physikalische Gesetze (z.B. Gasgesetze) funktionieren nur mit Kelvin
- Verhältnisse sind sinnvoll: 200 K ist doppelt so warm wie 100 K

1.4 Druck in Gasen

📘 Erklärung: Teilchenerklärung des Drucks

Der Druck in einem Gas entsteht durch die Stöße der Gasteilchen gegen die Wände:

Je mehr Teilchen:
- Mehr Stöße gegen die Wand
- Höherer Druck

Je schneller die Teilchen (höhere Temperatur):
- Härtere Stöße
- Höherer Druck

Je kleiner das Volumen:
- Teilchen sind dichter zusammen
- Mehr Stöße pro Fläche
- Höherer Druck

Dies erklärt die Gasgesetze aus der Teilchensicht!

1.5 Wärmeenergie und Aggregatzustandsänderungen

📘 Erklärung: Erwärmen, Schmelzen, Verdampfen

Beim Zuführen von Wärmeenergie können drei Dinge passieren:

1. Erwärmen
- Temperatur steigt
- Teilchen bewegen sich schneller
- Aggregatzustand bleibt gleich

2. Schmelzen (fest → flüssig)
- Temperatur bleibt konstant (Schmelztemperatur)
- Energie wird genutzt, um Bindungen zu lösen
- Beispiel: Eis → Wasser bei 0°C

3. Verdampfen (flüssig → gasförmig)
- Temperatur bleibt konstant (Siedetemperatur)
- Energie wird genutzt, um alle Bindungen zu lösen
- Beispiel: Wasser → Wasserdampf bei 100°C

Wichtig: Beim Phasenübergang ändert sich die Temperatur NICHT, obwohl Energie zugeführt wird!

💡 Beispiel: Wasser erhitzen
Situation: Wir erhitzen Eiswürfel (-10°C) bis zu Wasserdampf (110°C).

Phasen:
1. Eis erwärmt sich von -10°C auf 0°C (Temperatur steigt)
2. Eis schmilzt bei 0°C (Temperatur bleibt bei 0°C)
3. Wasser erwärmt sich von 0°C auf 100°C (Temperatur steigt)
4. Wasser verdampft bei 100°C (Temperatur bleibt bei 100°C)
5. Wasserdampf erwärmt sich auf 110°C (Temperatur steigt)

1.6 Zusammenfassung

📘 Erklärung: Die wichtigsten Konzepte
Teilchenmodell:
- Alle Stoffe bestehen aus sich bewegenden Teilchen
- Je höher die Temperatur, desto schneller die Bewegung

Diffusion:
- Selbstständige Vermischung durch Teilchenbewegung
- Schneller bei höherer Temperatur

Temperatur:
- Maß für die mittlere Bewegungsenergie der Teilchen
- T(K) = T(°C) + 273
- Absoluter Nullpunkt: 0 K = -273,15°C

Aggregatzustände:
- Fest ↔ Flüssig: Schmelzen/Erstarren
- Flüssig ↔ Gasförmig: Verdampfen/Kondensieren
- Bei Phasenübergängen bleibt die Temperatur konstant