In diesem Kurs lernst du die Stochastik der Qualifikationsphase:
- Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung
- Faire Spiele
- Binomialverteilung
- Normalverteilung (eA)
- Sigmaregeln (eA)
- Konfidenzintervalle (eA)
Der Erwartungswert $\mu$ (oder $E(X)$) einer Zufallsvariable $X$ ist der gewichtete Mittelwert aller möglichen Ergebnisse:
$\mu = E(X) = \sum_{i=1}^{n} x_i \cdot P(X = x_i)$
Der Erwartungswert gibt an, welchen Wert man im Durchschnitt bei vielen Wiederholungen eines Zufallsexperiments erwarten kann.
$E(X) = 1 \cdot \frac{1}{6} + 2 \cdot \frac{1}{6} + 3 \cdot \frac{1}{6} + 4 \cdot \frac{1}{6} + 5 \cdot \frac{1}{6} + 6 \cdot \frac{1}{6} = 3{,}5$
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Die Varianz $\sigma^2$ misst die mittlere quadratische Abweichung vom Erwartungswert:
$\sigma^2 = V(X) = \sum_{i=1}^{n} (x_i - \mu)^2 \cdot P(X = x_i)$
Die Standardabweichung $\sigma$ ist die Wurzel der Varianz:
$\sigma = \sqrt{V(X)}$
Interpretation:
- Kleine Standardabweichung → Werte liegen nah am Erwartungswert
- Große Standardabweichung → Werte sind weit gestreut
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Ein Glücksspiel heißt fair, wenn der Erwartungswert des Gewinns gleich dem Einsatz ist:
$E(\text{Gewinn}) = \text{Einsatz}$
Oder äquivalent: Der erwartete Reingewinn ist null:
$E(\text{Reingewinn}) = E(\text{Gewinn}) - \text{Einsatz} = 0$
Um ein Spiel fair zu machen, bestimmt man den fairen Einsatz $e$ so, dass $E(\text{Gewinn}) = e$.
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Die Binomialverteilung beschreibt Zufallsexperimente mit folgenden Voraussetzungen:
1. Das Experiment wird $n$-mal unabhängig wiederholt
2. Bei jeder Wiederholung gibt es genau zwei Ausgänge: Treffer (Wahrscheinlichkeit $p$) oder Niete ($1-p$)
3. Die Wahrscheinlichkeit $p$ ist bei jeder Wiederholung gleich
Beispiele:
- 10-maliges Werfen einer Münze ($n = 10$, $p = 0{,}5$)
- 20 Würfe mit einem Würfel, "6" als Treffer ($n = 20$, $p = \frac{1}{6}$)
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Der Binomialkoeffizient gibt an, auf wie viele Arten man $k$ Elemente aus $n$ auswählen kann:
$\binom{n}{k} = \frac{n!}{k! \cdot (n-k)!}$
Dabei ist $n! = 1 \cdot 2 \cdot 3 \cdot \ldots \cdot n$ die Fakultät.
Beispiel: $\binom{6}{2} = \frac{6!}{2! \cdot 4!} = \frac{720}{2 \cdot 24} = 15$
Es gibt 15 Möglichkeiten, 2 Elemente aus 6 auszuwählen.
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Die Wahrscheinlichkeit für genau $k$ Treffer bei $n$ Versuchen mit Trefferwahrscheinlichkeit $p$:
$P(X = k) = \binom{n}{k} \cdot p^k \cdot (1-p)^{n-k}$
Kumulative Wahrscheinlichkeiten:
- $P(X \leq k)$: Höchstens $k$ Treffer
- $P(X \geq k) = 1 - P(X \leq k-1)$: Mindestens $k$ Treffer
- $P(a \leq X \leq b)$: Treffer im Intervall $[a, b]$
In der Visualisierung kannst du $n$ und $p$ verändern und die Verteilung beobachten:
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Für eine binomialverteilte Zufallsvariable $X$ mit Parametern $n$ und $p$ gilt:
Erwartungswert:
$\mu = n \cdot p$
Varianz:
$\sigma^2 = n \cdot p \cdot (1-p)$
Standardabweichung:
$\sigma = \sqrt{n \cdot p \cdot (1-p)}$
Diese Formeln ermöglichen schnelle Berechnungen ohne die gesamte Verteilung aufzustellen.
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Das Prognoseintervall (auch Schwankungsintervall) gibt an, in welchem Bereich die Trefferzahl $X$ mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt:
$[\mu - c \cdot \sigma; \; \mu + c \cdot \sigma]$
Dabei wählt man $c$ je nach gewünschtem Sicherheitsniveau:
- $c = 1$: ca. 68% Wahrscheinlichkeit
- $c = 2$: ca. 95% Wahrscheinlichkeit ($1{,}96\sigma$-Umgebung)
- $c = 3$: ca. 99,7% Wahrscheinlichkeit
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Die Binomialverteilung findet in vielen Bereichen Anwendung:
- Qualitätskontrolle: Wie wahrscheinlich ist es, dass höchstens 3 von 100 Produkten fehlerhaft sind?
- Überbuchung: Wie viele Plätze darf eine Airline überbuchen?
- Medizin: Wie wahrscheinlich ist ein bestimmter Therapieerfolg?
Typische Aufgabenformate verlangen:
1. Parameter $n$ und $p$ identifizieren
2. Die passende Wahrscheinlichkeit berechnen
3. Das Ergebnis im Sachzusammenhang interpretieren
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Die Normalverteilung (Gauß-Verteilung) mit Parametern $\mu$ und $\sigma$ hat die Dichtefunktion:
$\varphi_{\mu,\sigma}(x) = \frac{1}{\sigma\sqrt{2\pi}} \cdot e^{-\frac{1}{2}\left(\frac{x-\mu}{\sigma}\right)^2}$
Eigenschaften:
- Symmetrisch um $\mu$ (Glockenform)
- Wendepunkte bei $\mu \pm \sigma$
- Fläche unter der Kurve = 1
In der Visualisierung kannst du $\mu$ und $\sigma$ verändern:
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Die Sigmaregeln geben an, wie viel Prozent der Werte in bestimmten Intervallen um den Erwartungswert liegen:
| Intervall | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|
| $[\mu - \sigma; \; \mu + \sigma]$ | $\approx 68{,}3\%$ |
| $[\mu - 1{,}96\sigma; \; \mu + 1{,}96\sigma]$ | $\approx 95\%$ |
| $[\mu - 2\sigma; \; \mu + 2\sigma]$ | $\approx 95{,}4\%$ |
| $[\mu - 2{,}58\sigma; \; \mu + 2{,}58\sigma]$ | $\approx 99\%$ |
| $[\mu - 3\sigma; \; \mu + 3\sigma]$ | $\approx 99{,}7\%$ |
Die Sigmaregeln gelten exakt für die Normalverteilung und näherungsweise für die Binomialverteilung (bei großem $n$).
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Ein Konfidenzintervall schätzt den unbekannten Parameter $p$ einer Binomialverteilung aus einer Stichprobe:
Aus einer Stichprobe mit $n$ Versuchen und $k$ Treffern (relative Häufigkeit $h = \frac{k}{n}$) ergibt sich das Konfidenzintervall:
$\left[h - \frac{c}{\sqrt{n}}; \; h + \frac{c}{\sqrt{n}}\right]$
mit $c$ abhängig vom Konfidenzniveau:
- 90%: $c \approx 1{,}64$
- 95%: $c \approx 1{,}96$
- 99%: $c \approx 2{,}58$
Das Konfidenzintervall überdeckt den wahren Wert $p$ mit der angegebenen Wahrscheinlichkeit.
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