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1. Quantenobjekte

1.1 Elektronenbeugungsröhre
📘 Elektronenbeugungsröhre: Experimenteller Nachweis der Materiewellen

Die Elektronenbeugungsröhre liefert den direkten experimentellen Beweis für den Wellencharakter von Elektronen.

Versuchsaufbau

- Elektronen werden in einer evakuierten Röhre durch Spannung UB beschleunigt
- Sie treffen auf eine polykristalline Graphitfolie (Gitterkonstante d ≈ 0,123 nm)
- Auf einem Leuchtschirm entstehen konzentrische Ringe (Debye-Scherrer-Ringe)

Elektronenbeugungsröhre auf dem Stativ: Kugelkolben mit Leuchtschirm, im Hals die Elektronenkanone mit glühender Kathode
Die Röhre im abgedunkelten Raum: links der Leuchtschirm von der Seite, rechts im Hals die Elektronenkanone mit der glühenden Kathode.

Beobachtung und Deutung

Die Ringe entstehen durch Bragg-Reflexion: Elektronen werden an den Netzebenen des Graphits gebeugt. Die Ringradien hängen von der Wellenlänge ab.

Der Blick von vorn auf den Leuchtschirm bei drei Beschleunigungsspannungen. Alle drei Aufnahmen sind auf denselben Schirmdurchmesser zugeschnitten, sind also direkt miteinander vergleichbar.


Leuchtschirm der Elektronenbeugungsröhre bei 13,6 kV
UB = 13,6 kV

Leuchtschirm der Elektronenbeugungsröhre bei 13,9 kV
UB = 13,9 kV

Leuchtschirm der Elektronenbeugungsröhre bei 14,8 kV
UB = 14,8 kV

Bei größerer Spannung UB:
- Größerer Impuls → kleinere Wellenlänge λ
- Schmalere, kleinere Ringe → bestätigt λ = h/p

Vergleich mit Lichtbeugung

Licht am GitterElektronen an Graphit
WellennaturInterferenzBeugungsringe
Wellenlängesichtbar 400–700 nmeinstellbar durch UB
GitterkonstanteSpaltabstand dNetzebenenabstand d
📊 Zeichnung: Elektronenbeugungsröhre: Aufbau und Strahlengang
📊 Zeichnung: Elektronenbeugungsröhre: Ringe in Abhängigkeit von der Beschleunigungsspannung
📝 Lückentext 1.1.1: Lade...

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1.2 Welle-Teilchen-Dualismus – de Broglie (eA)
📘 de-Broglie-Wellenlänge: Welle-Teilchen-Dualismus für Materie

Louis de Broglie formulierte die Hypothese: Nicht nur Licht, sondern alle Teilchen zeigen Welleneigenschaften. Jedem Teilchen mit Impuls p lässt sich eine Materiewellenlänge zuordnen:

λ = h / p = h / (m · v)

- λ = de-Broglie-Wellenlänge in Meter (m)
- p = Impuls des Teilchens in kg·m/s
- m = Masse des Teilchens in kg
- v = Geschwindigkeit in m/s
- h = Plancksches Wirkungsquantum: h = 6,626 · 10⁻³⁴ J·s

Impuls und kinetische Energie (eA)

Für ein Elektron, das durch eine Spannung U beschleunigt wurde, gilt:

e · U = ½ · me · v² → p = me · v = √(2 · me · e · U)

λ = h / √(2 · me · e · U)

Bedeutung

De Broglies Hypothese wurde durch die Elektronenbeugung bestätigt. Auch Neutronen, Atome und sogar Moleküle (Fullerene C₆₀) zeigen Beugungserscheinungen.

💡 Beispiel: de-Broglie-Wellenlänge eines Elektrons
Aufgabe: Ein Elektron wird durch U = 5,0 kV beschleunigt (me = 9,109 · 10⁻³¹ kg, e = 1,602 · 10⁻¹⁹ C). Welche de-Broglie-Wellenlänge hat es?

Lösung:
- p = √(2 · 9,109 · 10⁻³¹ · 1,602 · 10⁻¹⁹ · 5000)
- p = √(1,459 · 10⁻⁴⁵) ≈ 3,820 · 10⁻²³ kg·m/s
- λ = h / p = 6,626 · 10⁻³⁴ / 3,820 · 10⁻²³ ≈ 1,735 · 10⁻¹¹ m ≈ 17,3 pm

Antwort: Die de-Broglie-Wellenlänge beträgt ca. 17 pm – klein gegen den Netzebenenabstand von Graphit (213 pm) und damit gut beugbar am Kristallgitter.

📝 Lückentext 1.2.1: Lade...

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🎯 Aufgabe 1.2.2: Rechnen: de-Broglie-Wellenlänge

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🎲 Aufgabenpool 1.2.3: de Broglie – Selbsttest MC [0/4]

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1.3 Doppelspalt mit Quantenobjekten
📘 Doppelspalt mit Quantenobjekten – stochastische Deutung

Das Doppelspaltexperiment mit Quantenobjekten (Elektronen, Neutronen, Fullerene) zeigt: Auch einzelne Teilchen erzeugen nach vielen Ereignissen ein Interferenzmuster – als hätte jedes Teilchen beide Spalte gleichzeitig passiert.

Stochastische Deutung

- Einzelnes Quantenobjekt: unvorhersehbarer Auftreffpunkt
- Viele Objekte: statistisch reproduzierbares Interferenzmuster
- Die Wahrscheinlichkeit, wo ein Teilchen auftrifft, folgt der Wellenintensität: P ∝ |Ψ|²

Welcher-Weg-Information

Versucht man, den Weg des Teilchens durch einen der Spalte zu bestimmen, verschwindet das Interferenzmuster.

Wichtige Experimente

- Elektronenbeugung am Nickelkristall (Davisson und Germer)
- Elektronenbeugung am Doppelspalt (Jönsson)
- Beugung von C₆₀-Molekülen (Fullerene)

1.4 Photoeffekt (eA)
📘 Photoeffekt: Beobachtungen und Energiebilanz

Beim Photoeffekt (lichtelektrischer Effekt) lösen Photonen Elektronen aus einer Metalloberfläche heraus. Dies lässt sich nur mit dem Photonenmodell erklären – nicht mit der Wellentheorie.

Beobachtungen und Erklärung

BeobachtungErklärung mit Photonenmodell
Elektronen werden nur ausgelöst, wenn f > fGrenzJedes Photon muss die Austrittsarbeit WA alleine aufbringen
Größere Intensität → mehr Elektronen (nicht schnellere)Mehr Photonen → mehr Auslösevorgänge
Größere Frequenz → schnellere ElektronenMehr Energie pro Photon → mehr kinetische Energie der Elektronen

Energieerhaltung beim Photoeffekt

h · f = WA + Ekin

- WA = Austrittsarbeit des Metalls (materialabhängig, in eV oder J)
- Ekin = maximale kinetische Energie der Photoelektronen
- fGrenz = WA / h = Grenzfrequenz (unterhalb kein Effekt)

Gegenfeldmethode (eA)

Mit einer Gegenspannung UG wird der Photostrom gerade gestoppt. Es gilt:

e · UG = Ekin,max = h · f − WA

Tragt man UG gegen f auf, ergibt sich eine Gerade mit der Steigung h/e. So lässt sich das Plancksche Wirkungsquantum experimentell bestimmen.

Einheit Elektronenvolt: 1 eV = 1,6 · 10⁻¹⁹ J

💡 Beispiel: Grenzfrequenz und Gegenspannung
Aufgabe: Zink hat eine Austrittsarbeit von WA = 4,3 eV. (a) Welche Grenzfrequenz hat Zink? (b) Licht der Frequenz f = 1,2 · 10¹⁵ Hz trifft auf Zink. Welche Gegenspannung stoppt die Elektronen?

Lösung (a):
- WA = 4,3 eV = 4,3 · 1,6 · 10⁻¹⁹ J = 6,88 · 10⁻¹⁹ J
- fGrenz = WA / h = 6,88 · 10⁻¹⁹ / 6,626 · 10⁻³⁴ ≈ 1,04 · 10¹⁵ Hz

Lösung (b):
- Ekin = h · f − WA = 6,626 · 10⁻³⁴ · 1,2 · 10¹⁵ − 6,88 · 10⁻¹⁹
- Ekin = 7,95 · 10⁻¹⁹ − 6,88 · 10⁻¹⁹ = 1,07 · 10⁻¹⁹ J
- UG = Ekin / e = 1,07 · 10⁻¹⁹ / 1,6 · 10⁻¹⁹ ≈ 0,67 V

Antwort: Grenzfrequenz ≈ 1,04 · 10¹⁵ Hz; Gegenspannung ≈ 0,67 V.

🔬 Experiment: Hallwachs-Versuch: Photoeffekt an einer Zinkplatte Lehrerexperiment | Klasse: 12–13 | Dauer: 30 min | Schwierigkeit: mittel
Lehrerexperiment | Klasse: 12–13 | Dauer: 30 min | Schwierigkeit: mittel

Nur als Lehrerversuch: Die Quecksilberdampflampe sendet UV-Strahlung aus, die Augen und Haut schädigt, und das Netzgerät liefert bis zu 25 kV. Aufbau, Aufladen und Bestrahlen übernimmt die Lehrkraft; beobachtet und protokolliert wird von den Plätzen aus.

Material

- Zinkplatte auf einem Zeiger-Elektroskop, beides auf einer Hebebühne
- Quecksilberdampflampe (UV-Lampe) mit Drossel für Spektrallampen, auf einer zweiten Hebebühne
- Hochspannungsnetzgerät 0…25 kV zum Aufladen des Elektroskops
- Glasplatte im Halter, helle Glühlampe oder Taschenlampe
- Schmirgelpapier, Erdungskabel

Aufgabe

Zeige, dass Licht Ladung aus einer Metalloberfläche herauslösen kann, und finde heraus, wovon das abhängt: von der Helligkeit des Lichts, von seiner Frequenz oder vom Vorzeichen der Ladung auf der Platte.

Versuchsaufbau: links die Drossel für die Spektrallampe, daneben die UV-Lampe auf einer Hebebühne, dahinter die Glasplatte im Halter, rechts die Zinkplatte auf dem Zeiger-Elektroskop und das Hochspannungsnetzgerät

Links der beschriftete Aufbau, rechts die Skizze dazu: Das UV-Licht trifft auf die negativ geladene Zinkplatte und schlägt Elektronen heraus, der Zeiger des Elektroskops geht zurück.

Durchführung

Die Lehrkraft führt den Versuch vor; ihr beobachtet den Zeiger und tragt eure Beobachtungen in die Tabelle ein.

1. Die Zinkplatte wird blank geschmirgelt. Die Oxidschicht muss weg – auf einer angelaufenen Platte gelingt der Versuch nicht.
2. Das Elektroskop wird mit dem Hochspannungsnetzgerät negativ aufgeladen, bis der Zeiger deutlich ausschlägt; danach wird das Netzgerät abgeklemmt.
3. Die Zinkplatte wird mit der UV-Lampe bestrahlt (Versuch 1).
4. Dasselbe noch einmal, aber mit positiv geladenem Elektroskop (Versuch 2).
5. Wieder negativ aufladen, dann die Glasplatte zwischen Lampe und Zinkplatte stellen (Versuch 3).
6. Wieder negativ aufladen, dann mit einer hellen Glühlampe statt mit der UV-Lampe bestrahlen (Versuch 4).
7. Sicherheit: Nicht in die UV-Lampe schauen – sie strahlt auch dort, wo man nichts sieht. Die Lampe braucht einige Minuten zum Anlaufen und wird sehr heiß. Die Hochspannungsanschlüsse werden nur bei ausgeschaltetem Netzgerät angefasst.

Auswertung

- Trage eure Beobachtungen ein:

VersuchLadung der PlatteBeleuchtungBeobachtung am Zeiger
1negativUV-Lampe
2positivUV-Lampe
3negativUV-Lampe hinter Glasplatte
4negativhelle Glühlampe

- Welches Vorzeichen haben die Ladungsträger, die aus der Platte austreten? Begründe mit den Versuchen 1 und 2.
- Die Glühlampe in Versuch 4 ist deutlich heller als die UV-Lampe, und trotzdem passiert nichts. Warum ist das im Wellenmodell des Lichts nicht zu erklären?
- Erkläre Versuch 3. Welche Eigenschaft des Lichts entscheidet also darüber, ob Elektronen austreten?
- Für Zink findet man Austrittsarbeiten zwischen 3,6 eV und 4,3 eV. Berechne zu beiden Werten die Grenzwellenlänge (E = h · c / λ, kurz: E in eV = 1240 / λ in nm) und vergleiche sie mit den UV-Linien der Quecksilberlampe (365 nm, 334 nm, 313 nm) und mit sichtbarem Licht (400 nm bis 700 nm).

Erwartetes Ergebnis

- Versuch 1: Der Zeiger fällt zurück auf null. Die Platte verliert ihre negative Ladung – das Licht löst Elektronen heraus.
- Versuch 2: Der Ausschlag bleibt stehen. Auch hier treten Elektronen aus, aber die positiv geladene Platte zieht sie sofort wieder zurück; nach außen ändert sich nichts.
- Versuch 3: Der Ausschlag bleibt stehen, obwohl die Platte negativ geladen ist. Glas absorbiert den UV-Anteil. Entscheidend war also nicht die Helligkeit, sondern der kurzwellige Anteil des Lichts.
- Versuch 4: Nichts passiert, egal wie lange man wartet. Im Wellenmodell müsste die Platte Energie aufsammeln und irgendwann Elektronen abgeben – genau das geschieht nicht. Nur das Photonenmodell erklärt das: Ein einzelnes Photon muss die Austrittsarbeit alleine aufbringen, sonst hilft auch eine Milliarde davon nicht.
- Rechnung: λGrenz = 1240 / 4,3 ≈ 288 nm bzw. λGrenz = 1240 / 3,6 ≈ 344 nm. Sichtbares Licht liegt mit mindestens 400 nm in beiden Fällen weit darüber – daher Versuch 4. Die kurzwelligen Hg-Linien (334 nm, 313 nm) liegen unter 344 nm und lösen aus.
- Dass der Versuch überhaupt gelingt, zeigt: Die tatsächliche Austrittsarbeit der frisch geschmirgelten Platte liegt am unteren Ende des Tabellenbereichs. Eine Oxidschicht erhöht sie, dann bleibt der Zeiger stehen – deshalb ist Schritt 1 kein Schönheitsschritt, sondern Voraussetzung.

🔬 Experiment: Plancksches Wirkungsquantum mit LEDs bestimmen Schülerexperiment | Klasse: 12–13 | Dauer: 45 min | Schwierigkeit: mittel
Schülerexperiment | Klasse: 12–13 | Dauer: 45 min | Schwierigkeit: mittel

Der Hallwachs-Versuch zeigt, dass Licht aus Photonen besteht. Hier wird h gemessen – mit einem Aufbau, der auf jeden Schülertisch passt. Eine Leuchtdiode macht dabei das Umgekehrte des Photoeffekts: Ein Elektron, das die Sperrschicht durchquert, gibt seine Energie als ein einzelnes Photon wieder ab.

Material

- Regelbares Gleichspannungsnetzgerät 0–5 V mit Feinregelung
- Digitalvoltmeter (Gleichspannung, Auflösung 0,01 V)
- Mindestens vier LEDs verschiedener Farbe mit eingebautem Vorwiderstand, Wellenlänge aus Datenblatt oder Aufdruck bekannt
- Steckbrett oder Krokodilklemmen, Kabel
- Papprohr oder dunkles Tuch zum Abdunkeln
- Millimeterpapier oder Tabellenkalkulation

Aufgabe

Miss für LEDs verschiedener Farbe die Spannung, bei der die LED gerade eben zu leuchten beginnt. Trage diese Einsatzspannung über der Frequenz des abgestrahlten Lichts auf und bestimme aus der Steigung der Geraden das Plancksche Wirkungsquantum h.

Das Voltmeter liegt parallel zur LED und misst damit genau die Spannung, die an der Sperrschicht abfällt.

Durchführung

1. Schaltung nach der Skizze aufbauen. Das Netzgerät vor dem Einschalten auf 0 V zurückdrehen.
2. Erste LED einsetzen, Spannung langsam erhöhen und dabei die LED beobachten.
3. In dem Moment, in dem die LED gerade eben zu glimmen beginnt, die Spannung am Voltmeter ablesen. Das ist die Einsatzspannung Uein.
4. Spannung auf 0 V zurückdrehen und die Messung ein zweites und drittes Mal wiederholen. Aus den Werten den Mittelwert bilden.
5. Für jede Farbe wiederholen.
6. Abdunkeln: Der erste Lichtschein ist sehr schwach. Schaut durch ein Papprohr auf die LED oder deckt sie mit der hohlen Hand ab – bei hellem Zimmerlicht bemerkt man das Glimmen erst spät und misst 0,2 V bis 0,3 V zu viel.
7. Polung: Leuchtet eine LED bis 5 V überhaupt nicht, ist sie falsch herum eingebaut. Umpolen – in Rückwärtsrichtung sperrt eine LED vollständig.
8. Keine weißen LEDs verwenden. Sie leuchten in Wahrheit blau und wandeln einen Teil des Lichts in einer Leuchtstoffschicht um. Die abgestrahlte Wellenlänge gehört dann nicht mehr zur Spannung an der Sperrschicht.
9. Zum Vorwiderstand: Am Einsatzpunkt fließen nur wenige Mikroampere, am eingebauten Vorwiderstand fallen dabei weniger als 0,01 V ab. Er verfälscht die Messung also nicht, schützt die LED aber davor, beim Weiterdrehen durchzubrennen. LEDs ohne Vorwiderstand dürfen nie direkt ans Netzgerät.
10. Zusatz (optional): Eine Infrarot-LED (940 nm) sieht das Auge nicht, eine Handykamera aber schon. Richtet die LED auf die Kamera und lest die Einsatzspannung am Bild ab – das ergibt einen fünften Punkt weit links im Diagramm.

Auswertung

- Trage deine Messwerte ein. Die Wellenlängen sind typische Werte; wenn ein Datenblatt vorliegt, nimm dessen Angaben. Die Frequenz berechnest du mit f = c / λ und c = 3,00 · 10⁸ m/s.

Farbeλ in nmf = c / λ in 10¹⁴ HzUein in V
rot635
gelb590
grün565
blau470

- Zeichne das Diagramm Uein über f (x-Achse 0 bis 7 · 10¹⁴ Hz, y-Achse 0 bis 3 V) und lege eine Ausgleichsgerade durch die Punkte.
- Bestimme die Steigung m = ΔU / Δf über ein großes Steigungsdreieck.
- Ein Elektron der Ladung e gibt beim Durchqueren der Sperrschicht die Energie e · Uein ab und erzeugt daraus ein Photon der Energie h · f. Stelle die Energiebilanz auf und zeige, dass die Steigung m = h / e sein muss.
- Berechne h = e · m mit e = 1,602 · 10⁻¹⁹ C, vergleiche mit dem Literaturwert h = 6,626 · 10⁻³⁴ J·s und gib die prozentuale Abweichung an.
- Geht deine Ausgleichsgerade durch den Ursprung? Was würde ein Achsenabschnitt bedeuten?
- Nenne zwei Gründe, warum e · Uein nicht exakt gleich h · f ist.

Erwartetes Ergebnis

- Eine typische Messreihe sieht so aus:

Farbeλ in nmf in 10¹⁴ HzUein in V
rot6354,721,72
gelb5905,081,88
grün5655,311,93
blau4706,382,34

- Die vier Punkte liegen erkennbar auf einer Geraden. Das ist die eigentliche Aussage des Versuchs: Die Einsatzspannung wächst proportional zur Frequenz – nicht zur Helligkeit und nicht zur Wellenlänge.
- Energiebilanz: e · Uein = h · f, also Uein = (h / e) · f. Die Gerade muss demnach durch den Ursprung gehen und hat die Steigung h / e. Ein kleiner Achsenabschnitt von einigen Hundertstel Volt ist normal und geht auf das Ablesen des Einsatzpunktes zurück.
- Steigung: m = ΔU / Δf = (2,34 − 1,72) V / ((6,38 − 4,72) · 10¹⁴ Hz) ≈ 0,37 V pro 10¹⁴ Hz = 3,7 · 10⁻¹⁵ V·s
- Ergebnis: h = e · m = 1,602 · 10⁻¹⁹ · 3,7 · 10⁻¹⁵ ≈ 5,9 · 10⁻³⁴ J·s, rund 11 % unter dem Literaturwert. Für einen Aufbau aus Netzgerät, Voltmeter und Bauteilen für wenige Cent ist die Größenordnung damit genau getroffen.
- Realistisch sind Werte zwischen 5,5 · 10⁻³⁴ J·s und 7,5 · 10⁻³⁴ J·s. Wer deutlich daneben liegt, hat meist nicht abgedunkelt oder die Spannung zu schnell hochgedreht.
- Warum fällt h meist etwas zu klein aus? Erstens stammt ein Teil der Photonenenergie aus der thermischen Energie der Ladungsträger und nicht aus der angelegten Spannung; e · Uein ist deshalb etwas kleiner als h · f. Zweitens ist das Auge bei Gelb und Grün am empfindlichsten und bei Rot und Blau deutlich unempfindlicher, sodass jede Farbe bei einem etwas anderen Strom „entdeckt" wird. Drittens ist die Wellenlänge aus dem Datenblatt das Intensitätsmaximum und nicht die langwellige Kante des Spektrums.
- Andere Auswertung: Statt über f kann man Uein auch über 1/λ auftragen. Die Steigung ist dann h · c / e, und es gilt h = m · e / c.

🎲 Aufgabenpool 1.4.1: Lückentext: Photoeffekt [0/2]

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🎯 Aufgabe 1.4.2: Rechnen: Gegenspannung beim Photoeffekt

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🎲 Aufgabenpool 1.4.3: Photoeffekt – Selbsttest MC [0/4]

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🎯 Aufgabe 1.4.4: Rechnen: LED und Plancksches Wirkungsquantum
a)

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b)

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c)

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d)

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1.5 Licht – Welle und Teilchen
📘 Photonenmodell und Welle-Teilchen-Dualismus

Licht zeigt je nach Experiment Welleneigenschaften (Interferenz, Beugung) oder Teilcheneigenschaften (Photoeffekt). Dieses Verhalten nennt man Welle-Teilchen-Dualismus.

Das Photonenmodell

Licht besteht aus diskreten Energiepaketen, den Photonen. Die Energie eines Photons hängt von der Frequenz f ab:

E = h · f

- E = Energie des Photons in Joule (J)
- h = Plancksches Wirkungsquantum: h = 6,626 · 10⁻³⁴ J·s
- f = Frequenz des Lichts in Hertz (Hz)

Mit c = λ · f lässt sich auch schreiben:

E = h · c / λ

Wichtige Werte:
- Sichtbares Licht: λ ≈ 400 nm (violett) bis 700 nm (rot)
- UV-Licht: λ < 400 nm (energiereicher)
- IR-Licht: λ > 700 nm (energieärmer)

Intensität und Photonenfluss

Die Intensität I (Leistung pro Fläche) hängt von der Anzahl der Photonen pro Zeit ab, nicht von deren Energie. Blaues Licht hat energiereichere Photonen als rotes Licht, aber gleiche Intensität bedeutet gleiche Leistung.

💡 Beispiel: Photonenenergie berechnen
Aufgabe: Gelbes Natrium-Licht hat die Wellenlänge λ = 589 nm. Berechne die Energie eines Photons.

Lösung:
- Gegeben: λ = 589 nm = 589 · 10⁻⁹ m, h = 6,626 · 10⁻³⁴ J·s, c = 3 · 10⁸ m/s
- Formel: E = h · c / λ
- Berechnung: E = (6,626 · 10⁻³⁴ · 3 · 10⁸) / (589 · 10⁻⁹)
- E = 1,99 · 10⁻²⁵ / 5,89 · 10⁻⁷ ≈ 3,38 · 10⁻¹⁹ J

Antwort: Ein Photon des Natriumlichts hat die Energie E ≈ 3,38 · 10⁻¹⁹ J.

📝 Lückentext 1.5.1: Lade...

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🎲 Aufgabenpool 1.5.2: Photonenmodell – Selbsttest MC [0/4]

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1.6 Röntgenstrahlung – Bremsspektrum (eA)
📘 Röntgen-Bremsspektrum: Entstehung und kurzwellige Grenze

Röntgenstrahlung entsteht, wenn schnelle Elektronen in einer Röntgenröhre auf ein Metalltarget (Anode) treffen und abgebremst werden.

Bremsspektrum (kontinuierliches Spektrum)

Ein Elektron wird im Coulombfeld der Atomkerne abgebremst und gibt dabei Energie als Photon ab. Da die Abbremsung unterschiedlich stark sein kann, entsteht ein kontinuierliches Spektrum.

Maximale Photonenenergie (wenn das Elektron vollständig gestoppt wird):

h · fmax = e · UB

- UB = Beschleunigungsspannung der Röntgenröhre
- fmax = maximale Frequenz im Spektrum
- λmin = h · c / (e · UB) = kurzwellige Grenze

Bedeutung: Aus der kurzwelligen Grenze λmin lässt sich das Plancksche Wirkungsquantum bestimmen.

Charakteristisches Spektrum (eA)

Überlagert wird das Bremsspektrum durch scharfe Linien – das charakteristische Spektrum. Es entsteht, wenn Elektronen innere Atomschalen ionisieren und Elektronen aus äußeren Schalen nachrücken. Die dabei emittierte Photonenenergie entspricht der Energiedifferenz der Schalen.

💡 Beispiel: Kurzwellige Grenze
Aufgabe: Eine Röntgenröhre wird mit UB = 40 kV betrieben. Welche kurzwellige Grenze hat das Röntgenspektrum?

Lösung:
- Gegeben: UB = 40 000 V, h = 6,626 · 10⁻³⁴ J·s, c = 3 · 10⁸ m/s, e = 1,6 · 10⁻¹⁹ C
- Formel: λmin = h · c / (e · UB)
- Berechnung: λmin = (6,626 · 10⁻³⁴ · 3 · 10⁸) / (1,6 · 10⁻¹⁹ · 40 000)
- λmin = 1,988 · 10⁻²⁵ / 6,4 · 10⁻¹⁵ ≈ 3,1 · 10⁻¹¹ m = 31 pm

Antwort: Die kurzwellige Grenze liegt bei ca. 31 pm (0,031 nm).

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1.7 Mach-Zehnder-Interferometer (eA)
📘 Mach-Zehnder-Interferometer: Komplementarität mit Photonen

Das Mach-Zehnder-Interferometer demonstriert Komplementarität und Nichtlokalität mit einzelnen Photonen.

Aufbau

Quelle → Strahlteiler 1 → Spiegel → Strahlteiler 2 → Detektor A / B
                        ↘ Spiegel ↗

- Strahlteiler 1 teilt das Photon (bzw. seinen Zustand) in zwei Pfade
- Beide Pfade werden durch Spiegel zusammengeführt
- Strahlteiler 2 lässt die Pfade interferieren

Ohne Wegdetektor: Konstruktive Interferenz in Detektor A, destruktive in B → nur A klickt.

Mit Wegdetektor in einem Pfad: Weginfo bekannt → Interferenz weg → A und B klicken je 50 % → Teilchenbild.

Interpretation

Das Photon „weiß" beim ersten Strahlteiler noch nicht, ob es später detektiert wird. Erst die Messung legt das Ergebnis fest.

💡 Beispiel: Mach-Zehnder mit einzelnen Photonen
Situation: Ein stark gedämpfter Laser sendet im Mittel 0,1 Photonen pro ms durch das Interferometer. Strahlteiler teilt 50:50. Kein Wegdetektor eingebaut.

Erwartung: Alle Photonen landen in Detektor A (konstruktive Interferenz), Detektor B bleibt leer.

Mit Blocker in einem Pfad: Jetzt sind beide Pfade unterschiedlich – 50 % der Photonen werden vom Blocker absorbiert, 25 % gehen zu A, 25 % zu B. Die Interferenz ist aufgehoben.

Fazit: Der Einbau des Blockers ändert das globale Ergebnis, obwohl jedes Photon nur einen Pfad nimmt.

📝 Lückentext 1.7.1: Lade...

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1.8 Nichtlokalität (eA)
📘 Nichtlokalität: Ein Eingriff an einer Stelle wirkt auf das ganze Ergebnis

Das Beispiel zum Mach-Zehnder-Interferometer endet mit einem merkwürdigen Befund: Der Blocker sitzt in einem Pfad, aber er ändert das Ergebnis für alle Photonen – auch für die, die am Blocker vorbeigekommen sind. Genau das meint der Begriff Nichtlokalität.

Der Befund

- Jedes Photon wird punktförmig nachgewiesen – nie halb in Detektor A und halb in B.
- Trotzdem hängt das Ergebnis davon ab, was auf dem anderen Pfad passiert.
- Ein Eingriff an einer Stelle des Aufbaus verändert das Resultat im ganzen Aufbau.

Nichtlokalität bedeutet: Vor der Messung lässt sich ein Quantenobjekt nicht auf einen Ort oder einen Weg festlegen. Es verhält sich so, als sei es über den gesamten zugänglichen Bereich verteilt – beim Interferometer über beide Pfade, beim Doppelspalt über beide Spalte.

Derselbe Befund am Doppelspalt

AufbauErgebnis auf dem Schirm
Beide Spalte offenInterferenzmuster
Ein Spalt zugehaltenMuster verschwindet – auch für die Objekte, die den offenen Spalt passieren

Ein einzelnes Teilchen kann den zugehaltenen Spalt gar nicht benutzt haben. Trotzdem „merkt" es, dass dieser Spalt zu ist.

Was die Messung ändert

Erst die Messung legt einen Ort fest. Sobald das Objekt an einer Stelle nachgewiesen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, es woanders zu finden, null – und zwar sofort, egal wie weit der Aufbau ausgedehnt ist.

Wichtige Einschränkung: Damit lässt sich keine Information schneller als das Licht übertragen. Wo ein einzelnes Quantenobjekt auftrifft, ist zufällig und nicht steuerbar. Der Zusammenhang zeigt sich erst beim Vergleich vieler Messungen – und dieser Vergleich braucht einen ganz normalen Nachrichtenweg.

Abgrenzung: häufige Fehlvorstellungen

Falsche VorstellungRichtig
Das Teilchen springt von einem Pfad zum anderenEs war vorher auf keinem der Pfade festgelegt
Zwischen den Pfaden wird ein Signal ausgetauschtEs wird nichts übertragen – schon gar nicht mit Überlichtgeschwindigkeit
Nichtlokalität erlaubt Nachrichten ohne ZeitverzugEinzelmesswerte sind zufällig, also nicht als Signal nutzbar
1.9 Komplementarität
📘 Komplementarität: Wellen- und Teilchenbild schließen sich aus
Komplementarität: Wellen- und Teilcheneigenschaften eines Quantenobjekts können nie gleichzeitig beobachtet werden. Welches Bild man sieht, hängt vom Experiment ab:

ExperimentBeobachtetes Bild
Doppelspalt ohne DetektionWellenbild (Interferenz)
Doppelspalt mit WegdetektionTeilchenbild (kein Muster)
PhotoeffektTeilchenbild
Beugung am GitterWellenbild

Delayed-Choice-Experiment (eA)

Im Mach-Zehnder-Interferometer kann die Entscheidung, ob Weg-Information gewonnen wird, nach dem Passieren des Strahlteilers getroffen werden – und trotzdem verschwindet das Interferenzmuster. Das zeigt: Die Fragestellung bestimmt rückwirkend das Ergebnis.

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🎲 Aufgabenpool 1.9.2: Doppelspalt mit Quanten – Selbsttest MC [0/4]

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1.10 Zustand, Präparation, Superposition (eA)
📘 Quantenzustand, Präparation und Superposition

Grundbegriffe der Quantenmechanik

Zustand: Der Zustand eines Quantenobjekts ist durch eine Wellenfunktion Ψ beschrieben. Sie enthält alle messbaren Informationen.

Präparation: Durch eine Messung oder ein Experiment wird ein bestimmter Zustand hergestellt. Beispiel: Ein Polarisationsfilter präpariert Photonen in einem definierten Polarisationszustand.

Superposition: Ein Quantenobjekt kann sich in einer Überlagerung mehrerer Zustande befinden:

|Ψ⟩ = α|↑⟩ + β|↓⟩ (mit |α|² + |β|² = 1)

Die Koeffizienten α und β geben die Wahrscheinlichkeitsamplituden an. |α|² ist die Wahrscheinlichkeit, bei einer Messung |↑⟩ zu finden.

Polarisation als Beispiel

- Ein Photon wird durch einen 0°-Filter präpariert: Zustand |0°⟩
- An einem 45°-Filter: 50 % Wahrscheinlichkeit für Durchgang
- An einem 90°-Filter: 0 % Wahrscheinlichkeit → kein Photon kommt durch
- Reihenfolge 0° → 45° → 90°: einige Photonen kommen durch! (Superposition am 45°-Filter)

Merksatz: Messen verändert den Zustand eines Quantenobjekts.

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1.11 Messgenauigkeit und Messunsicherheit
📘 Messabweichung, Mittelwert und Messunsicherheit

Keine Messung liefert den „wahren" Wert. Misst man dieselbe Größe mehrfach, streuen die Ergebnisse. Ein Messergebnis ist deshalb erst vollständig, wenn neben dem Zahlenwert auch seine Unsicherheit angegeben ist.

Zwei Arten von Abweichungen

- Zufällige Abweichungen streuen um den wahren Wert, mal nach oben, mal nach unten (Reaktionszeit beim Stoppen, Ablesen zwischen zwei Skalenstrichen, kleine Schwankungen im Aufbau). Sie werden durch Mitteln über viele Messungen kleiner.
- Systematische Abweichungen gehen immer in dieselbe Richtung (falsch kalibriertes Messgerät, schräger Blick auf die Skala, Uhr grundsätzlich zu spät gestartet). Sie werden durch Mitteln nicht kleiner – man muss ihre Ursache finden.

Auswertung einer Messreihe

Aus n Einzelmessungen x₁ … xn berechnet man:

Mittelwert: xm = (x₁ + x₂ + … + xn) / n

Standardabweichung: s = √( Σ (xᵢ − xm)² / (n − 1) )

Unsicherheit des Mittelwerts: u = s / √n

- s beschreibt, wie stark die Einzelwerte streuen.
- u beschreibt, wie genau der Mittelwert bekannt ist. Vierfach so viele Messungen halbieren u.

Ergebnis richtig angeben

Das Endergebnis schreibt man als x = (xm ± u) Einheit, oft ergänzt um die relative Unsicherheit u / xm in Prozent.

Beim Runden gilt: Die Unsicherheit wird auf eine, höchstens zwei signifikante Stellen gerundet, der Mittelwert dann auf dieselbe Stelle. Also v = (1,13 ± 0,03) cm/s – nicht v = (1,1304 ± 0,0291) cm/s.

Merksatz: Ein Ergebnis ist nie genauer als sein ungenauster Eingangswert. Mehr Nachkommastellen im Taschenrechner bedeuten keine höhere Genauigkeit.

Wenn gerechnet wird: Unsicherheiten pflanzen sich fort

Wird aus mehreren gemessenen Größen eine neue berechnet, steckt in ihr die Unsicherheit aller Eingangswerte. Bei Produkten und Quotienten – etwa v = s / t – addieren sich die relativen Unsicherheiten:

u(v) / v = u(s) / s + u(t) / t

Bei Summen und Differenzen addieren sich dagegen die absoluten Unsicherheiten.

Daraus folgt eine praktische Regel: Es lohnt sich nur, den größten Beitrag zu verkleinern. Wer die Zeit auf 0,1 % genau misst, die Strecke aber nur auf 1 %, erhält trotzdem ein Ergebnis mit rund 1 % Unsicherheit.

Abgrenzung: Messunsicherheit ist nicht Unbestimmtheit

Die hier beschriebene Streuung ist ein Problem der Messung: Mit besseren Geräten und mehr Wiederholungen wird sie kleiner. Die Heisenbergsche Unbestimmtheit (nächstes Thema) ist etwas grundsätzlich anderes – sie bleibt auch bei einer perfekten Messapparatur bestehen, weil ein Quantenobjekt Ort und Impuls gar nicht gleichzeitig scharf besitzt.

💡 Beispiel: Mittelwert, Standardabweichung und Unsicherheit
Aufgabe: Fünf Gruppen messen die Sinkgeschwindigkeit derselben Schraube und erhalten: 1,12 / 1,18 / 1,05 / 1,21 / 1,09 (in cm/s). Gib das Ergebnis mit Unsicherheit an.

Lösung:
- Mittelwert: vm = (1,12 + 1,18 + 1,05 + 1,21 + 1,09) / 5 = 5,65 / 5 = 1,13 cm/s
- Abweichungen: −0,01 / +0,05 / −0,08 / +0,08 / −0,04
- Summe der Quadrate: 0,0001 + 0,0025 + 0,0064 + 0,0064 + 0,0016 = 0,0170
- Standardabweichung: s = √(0,0170 / 4) = √0,00425 ≈ 0,065 cm/s
- Unsicherheit des Mittelwerts: u = s / √5 = 0,065 / 2,24 ≈ 0,029 cm/s ≈ 0,03 cm/s

Antwort: v = (1,13 ± 0,03) cm/s, also eine relative Unsicherheit von 0,03 / 1,13 ≈ 2,6 %. Die Einzelwerte streuen mit s ≈ 0,065 cm/s deutlich stärker, als der Mittelwert unsicher ist.

🔬 Experiment: Schrauben in Seife: Wie genau ist eine Stoppuhr-Messung? Klasse: 11–13 | Dauer: 60 min | Schwierigkeit: einfach
Klasse: 11–13 | Dauer: 60 min | Schwierigkeit: einfach

Material

- vorbereitetes Seifenglas mit Schraube — es ist verschlossen und bleibt es auch
- Stoppuhr mit Anzeige auf 1/100 s (Handy genügt)
- Lineal (30 cm), zwei Klebestreifen als Marken
- Taschenrechner

Aufgabe

Die Schraube sinkt in der zähen Seife gleichförmig — die Strecke ist also nicht das Problem. Untersucht wird hier die Messung selbst: Wie stark streuen zehn Stoppuhr-Messungen derselben Strecke, woher kommt diese Streuung, wie genau ist der Mittelwert, und wann lohnt es sich überhaupt, noch genauer zu messen?

Nicht Gegenstand dieses Versuchs ist die Frage, ob die Bewegung gleichförmig ist — das ist im s-t-Diagramm der Sekundarstufe I geklärt. Hier wird nur noch eine einzige Größe immer wieder gemessen.

Durchführung

1. Klebe zwei Marken auf das Glas, die genau Δs = 10,0 cm auseinanderliegen. Die obere Marke muss so tief sitzen, dass die Anlaufphase davor abgeschlossen ist (etwa 3 cm unterhalb des Startpunkts der Schraube).
2. Miss den Markenabstand mit dem Lineal nach und notiere ihn samt Ablesegenauigkeit, z. B. Δs = (10,0 ± 0,1) cm.
3. Dreh das Glas zügig um und stell es sofort ruhig auf den Tisch.
4. Starte die Uhr, wenn die Schraube die obere Marke passiert, stoppe sie an der unteren. Notiere t auf 1/100 s.
5. Wiederhole Schritt 3 und 4, bis du zehn Messwerte hast — immer dieselbe Person an der Uhr. Lasst das Glas dazwischen ruhen, bis sich in der Seife nichts mehr bewegt.
6. Wichtig: Schau immer waagerecht auf die Marke, nie von schräg oben. Dieser Blickwinkel ist die häufigste systematische Abweichung des Versuchs.
7. Danach misst jede weitere Person der Gruppe dieselbe Strecke dreimal.

Teil A – zehn Messungen derselben Person

Messung Nr.12345678910
t in s

Trage die zehn Werte als kurze Striche auf der Skala ein. Beschrifte die Achse selbst: Setze deinen Mittelwert in die Mitte, ein Kästchen entspricht 0,1 s.


Teil B – dieselbe Strecke, verschiedene Personen

Person 1Person 2Person 3Person 4
1. Messung
2. Messung
3. Messung
Mittelwert tm in s

Teil C – Ergebnisse der ganzen Klasse

Gruppe 1Gruppe 2Gruppe 3Gruppe 4Gruppe 5
v in cm/s

Markiere jeden Gruppenwert mit einem kurzen Strich auf der Skala:


Auswertung

- Berechne aus den zehn Werten von Teil A den Mittelwert tm, die Standardabweichung s (wie viel Prozent von tm sind das?) und die Unsicherheit des Mittelwerts u = s / √10. Gib das Zeitergebnis sinnvoll gerundet als t = (tm ± u) s an.
- Berechne daraus v = Δs / tm. Die relative Unsicherheit von v ist die Summe der relativen Unsicherheiten von Δs und t: u(v)/v = u(Δs)/Δs + u(t)/tm. Gib v mit Unsicherheit an.
- Welcher der beiden Anteile ist größer — die gestoppte Zeit oder die abgemessene Strecke? Was müsstest du verbessern, um das Ergebnis wirklich genauer zu machen?
- Vergleiche in Teil B die Mittelwerte der Personen. Liegen sie enger beieinander als u, oder weiter auseinander? Was folgt daraus für die Reaktionszeit?
- Nenne je zwei zufällige und systematische Abweichungen dieses Versuchs. Welche davon werden durch Mitteln kleiner?
- Wie viele Messungen bräuchtest du, um u zu halbieren? Wie ändert sich die relative Unsicherheit, wenn du statt 10 cm nur 5 cm abmisst?

Erwartetes Ergebnis

- Teil A: Bei v ≈ 1 cm/s liegt t bei rund 10 s. Die zehn Werte streuen typischerweise mit s ≈ 0,3–0,5 s, also 3–5 %. Auf der Skala bilden die Striche eine erkennbare Wolke um die Mitte, keinen Punkt. Fast die gesamte Streuung stammt aus der Reaktionszeit beim Starten und Stoppen (je ≈ 0,2 s).
- Unsicherheit des Mittelwerts: u = s / √10 ≈ 0,1–0,16 s, also nur noch rund 1,5 % — das Mitteln hat die zufällige Abweichung etwa auf ein Drittel gedrückt.
- Fehlerfortpflanzung: Die Strecke trägt 0,1 cm / 10,0 cm = 1 % bei, die gemittelte Zeit ≈ 1,5 %. Zusammen ist v auf etwa 2,5 % genau, also z. B. v = (1,00 ± 0,03) cm/s.
- Die Pointe: Vor dem Mitteln dominiert die Zeit die Unsicherheit deutlich, danach sind beide Anteile etwa gleich groß. Noch mehr Zeitmessungen bringen jetzt fast nichts mehr — genauer wird das Ergebnis erst, wenn auch die Strecke sorgfältiger bestimmt wird (längere Messstrecke, feinere Marken). Ein Ergebnis ist nie besser als sein schlechtester Anteil.
- Teil B: Die Personen-Mittelwerte unterscheiden sich meist um mehr als u — oft um mehrere Zehntelsekunden. Die Reaktionszeit ist pro Person weitgehend konstant und wirkt deshalb wie eine systematische Abweichung: Sie verschwindet nicht dadurch, dass dieselbe Person öfter misst.
- Zufällig: schwankende Reaktionszeit, Ablesen der Hundertstel, kleine Luftblasen, leichtes Anstoßen des Glases. Diese werden durch Mitteln kleiner.
Systematisch: schräger Blick auf die Marken (Parallaxe), Uhr grundsätzlich zu spät gestartet, falsch abgemessener Markenabstand, wärmere Seife in einer Gruppe (dünnflüssiger → schneller). Diese bleiben auch nach dem Mitteln bestehen.
- Für die halbe Unsicherheit braucht man die vierfache Anzahl an Messungen (u ~ 1/√n). Halbiert man die Messstrecke, halbiert sich t, während die Reaktionszeit-Streuung gleich bleibt — die relative Unsicherheit verdoppelt sich. Deshalb misst man immer über die längste vertretbare Strecke.
- Teil C: Die Gruppenwerte streuen stärker, als es die Unsicherheit einer einzelnen Gruppe erwarten lässt. Genau das ist der Fingerabdruck systematischer Abweichungen: Jede Gruppe misst in sich konsistent, aber die Gruppen unterscheiden sich untereinander.

1.12 Unbestimmtheitsrelation (eA)
📘 Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation
Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation: Ort x und Impuls p eines Quantenobjekts können nie gleichzeitig beliebig genau bekannt sein:

Δx · Δp ≥ h / (4π)

Ebenso für Energie und Zeit:

ΔE · Δt ≥ h / (4π)

- Δx = Unschärfe (Standardabweichung) des Ortes
- Δp = Unschärfe des Impulses
- Diese Unschärfe ist fundamental – kein Messproblem, sondern Eigenschaft der Natur

Anschauliche Erklärung: Beugung am Einzelspalt

Zwingt man ein Elektron durch einen Spalt der Breite b, ist sein Ort auf Δx ≈ b bekannt. Dadurch bekommt es einen unbekannten Querimpuls Δp ≥ h / (4π · b) – es wird „seitwärts gestreut". Die Beugungsunschärfe ist real.

Konsequenzen

- Elektronen in Atomen können nicht auf einer Kreisbahn „sitzen" (würde Δx · Δp → 0 erfordern)
- Nullpunktsenergie: Teilchen im Kasten haben immer eine Mindestenergie Emin > 0
- Stabilisierung des Wasserstoffatoms wird erklärbar

💡 Beispiel: Unbestimmtheit eines Elektrons
Aufgabe: Ein Elektron wird mit einem Einzelspalt der Breite b = 1 nm auf seinen Ort eingeschränkt. Welche minimale Impulsunschärfe ergibt sich?

Lösung:
- Δx ≈ 1 nm = 10⁻⁹ m
- Δp ≥ h / (4π · Δx) = 6,626 · 10⁻³⁴ / (4π · 10⁻⁹)
- Δp ≥ 5,27 · 10⁻²⁶ kg·m/s

Antwort: Die Impulsunschärfe beträgt mindestens ≈ 5,3 · 10⁻²⁶ kg·m/s.

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